Veganer Geburtstagskuchen. Schrift darüber: Mama, ist der Kuchen vegan?

Der nicht-vegane Kuchen auf dem Kindergeburtstag

Vegan mit Kindern im Alltag

Ich glaube, ein Thema, um das wir als vegane Eltern kaum herumkommen, ist die Frage, wie wir mit dem nicht-veganen Umfeld umgehen. Solange wir in unserer kleinen eigenen Bubble sind, ist vieles einfach. Zuhause entscheiden wir selbst, was auf den Tellern unserer Kinder landet. Doch spätestens wenn unsere Kinder in den Kindergarten oder in die Schule kommen, tauchen plötzlich ganz neue Fragen auf. Soll unser Kind ein anderes Essen bekommen als die anderen Kinder? Wie werden die Erzieher*innen reagieren? Wird sich unser Kind ausgeschlossen fühlen?Und wie viel Verantwortung können kleine Kinder bei so einer großen moralischen Entscheidung überhaupt schon selbst tragen?

Besonders spürbar wurde das für mich bei Kindergeburtstagen. Genauer gesagt: beim nicht-veganen Geburtstagskuchen. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Essen. Sondern auch um Zugehörigkeit, Anderssein, Verantwortung und die Frage, wie sichtbar wir als vegane Familie eigentlich sein möchten.

Als ich vegan wurde, waren unsere Kinder drei Jahre alt und ein Baby. Ich war gerade zum zweiten Mal Mutter geworden und musste mich erst einmal in dieser neuen Rolle als Zweifach-Mama zurechtfinden. Gerade durch das Stillen wurde mir bewusster denn je, wie wichtig es mir ist, dass meine Kinder mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass Kuhmilch eben auch Muttermilch ist — nur von einer anderen Spezies. Aus diesem Gedanken heraus ist übrigens auch unser Pappbuch „Mandeln melken“ entstanden.

Und genau da begann für mich eine schwierige Frage: Sollten wir unserem Kleinkind selbst überlassen, was es im Kindergarten essen möchte? Oder ist es unsere Aufgabe als Eltern, diese Verantwortung erst einmal für unser Kind zu tragen?

Bis dahin hatte sich unser Kind im Kindergarten vegetarisch ernährt. Fleisch war interessanterweise nie wirklich ein Thema. Vielleicht auch deshalb, weil Fleisch im Gegensatz zu Milch, Eiern oder Honig oft leichter zu erklären ist. Fleisch ist sichtbar totes Tier. Selbst kleine Kinder können irgendwann begreifen, dass das Stück Fleisch im Supermarkt einmal ein lebendiges Wesen war, auch wenn das natürlich ein grausamer Gedanke ist. Bei Milch, Eiern oder Honig wird alles abstrakter. Es sind keine „toten Tiere“, sondern "Produkte" von lebendigen Tieren. Gerade für kleine Kinder ist das viel schwerer zu verstehen. (Falls du ein Buch suchst, das genau dieses Thema kindgerecht und ohne Angst aufgreift, schau gerne hier vorbei.)

Ich erinnere mich noch gut an einen Moment nach einem Kinderarztbesuch. Unser damals dreijähriges Kind bekam Gummibärchen geschenkt. Für mich war das in dem Moment fast unerträglich, weil ich wusste, was darin enthalten war. Also versuchte ich zu erklären, was Gelatine eigentlich ist. Aber ich merkte sofort: Ein dreijähriges Kind, das gerade bunte süße Gummibärchen in der Hand hält, kann diese moralische Dimension noch gar nicht wirklich erfassen. Und natürlich wollte mein Kind die Gummibärchen trotzdem essen. Was ich auch vollkommen verstehen konnte.

Dieser Moment wurde für mich zu einer Art Schlüsselmoment. Denn plötzlich stellte ich mir die Frage: Welche Verantwortung tragen wir als Eltern eigentlich? Welche Entscheidungen sollten Kinder selbst treffen — und welche nicht? Und ist es wirklich fair, einem Kleinkind eine so komplexe moralische Entscheidung zu überlassen? Manchmal frage ich mich sogar, ob es für Kinder nicht auch eine Erleichterung sein kann, bestimmte Entscheidungen noch nicht selbst tragen zu müssen. Wenn wir ihnen die Verantwortung komplett überlassen, legen wir dann vielleicht auch den Grundstein für permanentes schlechtes Gewissen?

All diese Gedanken haben uns damals stark beschäftigt. Und sie haben letztendlich dazu geführt, dass unsere Kinder auch außerhalb unseres Zuhauses veganes Essen bekommen haben, im Kindergarten genauso wie später auf Kindergeburtstagen. Dabei hatten wir großes Glück. In unserem Kindergarten gab es eine wunderbare Köchin, die für unsere Kinder liebevolle vegane Alternativen gekocht hat — oft ganz ähnlich zu dem, was die anderen Kinder gegessen haben. Das hat vieles leichter gemacht. Und es hat mir auch das Selbstbewusstsein gegeben, später in anderen Situationen für veganes Essen für unsere Kinder einzustehen oder selbst etwas mitzubringen. Trotzdem waren Kindergeburtstage für mich lange eine Herausforderung.

Ich wollte mit unserem Vegansein eigentlich nie besonders auffallen. Und genau deshalb fühlte sich das Thema Kindergeburtstag anfangs oft unangenehm an. Wie spricht man andere Eltern darauf an, ohne dass sie sich kritisiert fühlen? Wie erklärt man es dem eigenen Kind? Werden die anderen denken, man sei dogmatisch oder kompliziert? Je häufiger ich Eltern auf unser veganes Familienleben angesprochen habe, desto leichter wurde es allerdings. Ich habe gemerkt: Je selbstbewusster und entspannter ich selbst mit dem Thema umgehe, desto unkomplizierter reagieren meistens auch die anderen. Irgendwann habe ich angefangen, gar kein großes Geheimnis mehr daraus zu machen, sondern einfach offen zu sagen: „Wir leben als Familie vegan, das heißt, wir essen keine tierischen Produkte. Ich bringe aber sehr gerne eine Alternative mit. Sagt mir einfach kurz Bescheid, was geplant ist.“

Vielleicht hatte ich Glück. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir in einer Großstadt leben. Aber ich habe tatsächlich nie eine wirklich negative Reaktion erlebt. Höchstens mal eine vorsichtige Nachfrage, ob Brot oder bestimmte Süßigkeiten vegan seien.

Etwas anderes hat mich rückblickend fast noch mehr überrascht: Kein einziges Kind hat unsere Kinder später wegen ihres veganen Essens ausgeschlossen. Ganz im Gegenteil. Viele Kinder waren neugierig, wollten probieren oder fanden das vegane Essen einfach spannend. Und genau das hat auch meine Sicht verändert. Insgeheim hatte ich natürlich auch immer den Ehrgeiz, dass die von mir mitgebarchte vegane Alternative (z.B. ein veganer Kuchen) bitte sooo lecker aussieht, dass am Ende alle anderen Kinder auch davon essen wollen;) am besten mit extra vielen veganen Smarties.

Ich möchte, dass meine Kinder spüren, dass Veganismus nichts ist, wofür man sich schämen muss. Im Gegenteil. Unsere veganen Kinder dürfen stolz auf ihre Werte sein. Und das funktioniert vermutlich am besten, wenn wir Eltern selbst offen und selbstverständlich darüber sprechen, nicht hinter vorgehaltener Hand oder mit dem Gefühl, uns entschuldigen zu müssen.

Heute sehe ich vieles entspannter. Und ich glaube inzwischen auch: Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Ich verurteile niemanden, der anders mit solchen Situationen umgeht als wir. Jede Familie bringt ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Werte und ihre eigenen Grenzen mit. Aber ich möchte euch dennoch darin bestärken: Wenn es sich für euch nicht richtig anfühlt, dass euer Kind Tierprodukte isst, dann dürft ihr Verantwortung übernehmen. Gerade kleine Kinder können die Tragweite solcher Entscheidungen noch gar nicht wirklich erfassen. Und Verantwortung übernehmen muss nichts Starres oder Kontrollierendes sein. Es kann auch einfach bedeuten, unsere Kinder liebevoll durch eine Welt zu begleiten, die nicht immer zu unseren Werten passt.

Vielleicht geht es beim veganen Familienleben am Ende gar nicht darum, alles perfekt zu lösen. Sondern darum, unseren Kindern Sicherheit, Ehrlichkeit und Mitgefühl mitzugeben. Schritt für Schritt.


P.S. Der Geburtstagskuchen auf dem Foto ist natürlich vegan;). Das superleckere Rezept findest du übrigens auch am Ende des Buchs „Tiere backen einen Kuchen“ von Dolunay Gördüm und Franziska Viviane Zobel. (Wir backen ihn mehrmals pro Jahr, hihi.)