Symbolbild einer Kinderärztin beim Ausfüllen einer Patientenakte. Der Artikel behandelt den ersten Kinderarzttermin mit einem vegan lebenden Kind und gibt Eltern Tipps für das Gespräch.

Veganes Kind beim Kinderarzt – Erfahrungen und Tipps für den ersten Termin

Soll ich überhaupt erwähnen, dass mein Kind vegan lebt? Was passiert, wenn die Kinderärztin kritisch reagiert? Viele vegane Eltern gehen mit genau diesen Fragen zum ersten Kinderarzttermin. So ging es auch mir.

Viele vegane Eltern haben vor dem ersten Kinderarzttermin dieselben Sorgen

Soll ich überhaupt sagen, dass mein Kind vegan lebt? Was, wenn die Kinderärztin unsere Ernährungsweise ablehnt? Wie reagiere ich, wenn sie mein Kind verunsichert?

Falls dir diese Gedanken bekannt vorkommen, bist du damit nicht allein. Mir ging es vor unserem ersten Termin mit unserem damals dreijährigen Kind ganz ähnlich.

Dabei hatte ich mich intensiv mit veganer Ernährung beschäftigt. Ich hatte unzählige Fachartiekl gelesen, mich mit kritischen Nährstoffen auseinandergesetzt und sogar eine Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin gemacht. Trotzdem war ich nervös. Denn Wissen schützt nicht immer vor Unsicherheit.

Obwohl ich gut vorbereitet war, hatte ich Angst

Als ich vor ungefähr acht Jahren vegan wurde, wollte ich möglichst gut verstehen, worauf es bei einer ausgewogenen veganen Ernährung ankommt – besonders natürlich bei Kindern. Ich las Studien, suchte den Austausch mit Fachpersonen und ließ mich zusätzlich von einer veganen Ernährungsberaterin begleiten. Irgendwann entschied ich mich sogar selbst für die Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin. Trotzdem fühlte ich mich vor dem Termin bei der Kinderärztin erstaunlich unsicher. Ich wusste nicht, wie ich das Thema ansprechen sollte. Wie würde sie reagieren? Würde sie sich mit veganer Kinderernährung auskennen oder einfach ihre persönliche Meinung äußern? Und es wäre gelogen zu behaupten, dass ich selbst keinerlei Restzweifel mehr hatte. Denn auch wenn wir Eltern genau wissen, worauf wir achten sollten, gibt es einen kleinen Unterschied zwischen einer gut geplanten Ernährung und dem, was ein Kind am Ende tatsächlich isst.

Mein größtes Worst-Case-Szenario

Je näher der Termin rückte, desto häufiger spielte ich verschiedene Gespräche im Kopf durch.

Mein schlimmstes Szenario sah ungefähr so aus: Die Kinderärztin schaut mich entsetzt an und sagt vor meinem Kind:

„Sie wissen aber schon, dass vegane Ernährung für Kinder ungesund und gefährlich ist.“

Mein Kind wäre vermutlich zu klein gewesen, um alles zu verstehen. Aber es hätte sehr wohl mitbekommen, dass mit unserer Familie und unserer Ernährung „etwas nicht stimmt“.

Allein diese Vorstellung machte mir Angst.Also begann ich mir zu überlegen, wie ich reagieren wollte.Nicht spontan, emotional, sondern ruhig.

Meine Antwort hätte ungefähr so gelautet:

„Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Wir beschäftigen uns bereits intensiv mit veganer Kinderernährung und werden zusätzlich professionell begleitet. Deshalb wünschen wir uns eine möglichst sachliche und offene Begleitung, bei der wir gemeinsam auf die Gesundheit unseres Kindes schauen.“

Allein diese Vorbereitung gab mir Sicherheit.

Was mir geholfen hat, meine Angst loszulassen

Eine liebe Bekannte hatte mir einmal einen einfachen Tipp gegeben:

Schreib alles auf, wovor du Angst hast.

Genau das habe ich gemacht. Ich bin dabei Schritt für Schritt vorgegangen.

1. Wovor habe ich eigentlich Angst?

Schreib zunächst alles auf, was dir durch den Kopf geht. Ohne es zu bewerten oder gleich eine Lösung finden zu wollen.

Nicht selten steckt hinter unserer Angst etwas ganz anderes. Geht es wirklich um die Kinderärztin? Oder eher darum, nicht ernst genommen zu werden? Vielleicht darum, als unverantwortliche Mutter abgestempelt zu werden? Oder darum, dass eigene Unsicherheiten plötzlich wieder auftauchen?

Ich glaube, die größte Angst vieler Eltern ist gar nicht das Gespräch selbst. Es ist die Sorge, dem eigenen Kind unbewusst zu schaden. Dass wir etwas übersehen könnten. Dass wir als Eltern versagen. Gerade weil uns die Gesundheit unserer Kinder so wichtig ist, können solche Gespräche uns besonders verunsichern.

Allein diese Gedanken aufzuschreiben, hat mir geholfen, meine Ängste besser zu verstehen und meine Gedanken zu sortieren.

2. Was wäre das schlimmste Szenario?

Ich habe ganz bewusst mein persönliches Worst-Case-Szenario aufgeschrieben.
Dadurch wurde aus einem diffusen Gefühl etwas Konkretes. Und plötzlich wirkte es gar nicht mehr so überwältigend.

3. Wie möchte ich reagieren?

Zum Schluss habe ich mir überlegt:

Wenn genau dieses Szenario eintritt – wie möchte ich mich verhalten?
Nicht perfekt, aber so, dass ich hinterher mit mir selbst zufrieden bin. Allein diese Vorbereitung hat mir unglaublich viel Druck genommen.

So verlief unser erster Termin bei der Kinderärztin

Als die U-Untersuchung beendet war, fragte die Kinderärztin, ob wir noch etwas besprechen möchten.

Ich erzählte ihr, dass wir vegan leben und dass unser damals dreijähriges Kind zunehmend verwirrt davon war, außerhalb unseres Zuhauses plötzlich nicht mehr vegan zu essen. Deshalb hätten wir entschieden, dass unser Kind künftig auch im Kindergarten veganes Essen bekommen sollte. Die Kinderärztin hörte aufmerksam zu. Sie erklärte, dass wir die kritischen Nährstoffe gut im Blick behalten sollten. Außerdem sagte sie ganz offen, dass sie sich selbst mit veganer Kinderernährung nicht besonders gut auskenne und empfahl uns zusätzlich eine Ernährungsberatung. Während des gesamten Gesprächs blieb sie professionell, respektvoll und nicht wertend. Als wir die Praxis verließen, musste ich innerlich schmunzeln.

Ich hatte mir tagelang Sorgen gemacht. Und am Ende war alles völlig unkompliziert.

Was ich aus diesem Termin gelernt habe

Rückblickend waren meine Sorgen unbegründet. Trotzdem war die intensive Vorbereitung nicht umsonst. Sie hat mir gezeigt, wie ich mit meinen eigenen Ängsten umgehen kann. Und genau deshalb möchte ich diese Erfahrung heute weitergeben. Denn ich höre leider auch immer wieder von Eltern, deren Worst-Case-Szenario tatsächlich eingetreten ist. Nicht jede Ärztin und nicht jeder Arzt begegnet veganer Ernährung offen. Das bedeutet aber nicht, dass die fachliche Einschätzung richtig ist.

Ernährung nimmt im Medizinstudium oft nur einen sehr kleinen Stellenwert ein. Deshalb lohnt es sich, zusätzlich Fachpersonen einzubeziehen, die sich speziell mit veganer Ernährung auskennen.

Was tun, wenn die Kinderärztin veganer Ernährung kritisch gegenübersteht?

Sollte dein Kinderarzt oder deine Kinderärztin sehr kritisch reagieren, haben mir folgende Gedanken geholfen:

  • Bleibe möglichst ruhig und sachlich.
  • Bitte darum, konkrete medizinische Bedenken zu benennen.
  • Zeige, dass dir die Gesundheit deines Kindes genauso wichtig ist.
  • Suche bei Bedarf zusätzlich Unterstützung durch qualifizierte Ernährungsfachkräfte.
  • Falls du befürchtest, dass eine schwierige Diskussion entsteht, vereinbare lieber einen separaten Elterntermin.

Gerade der letzte Punkt kann hilfreich sein. Kinder nehmen oft viel mehr wahr, als wir glauben. Wenn ein schwieriges Gespräch ohne sie stattfinden kann, erspart ihnen das möglicherweise unnötige Verunsicherung.

Mein wichtigster Rat an andere vegane Eltern

Versuche nicht, Diskussionen zu gewinnen. Versuche auch nicht, alles perfekt zu machen. Am Ende geht es um etwas viel Wichtigeres: Dass dein Kind gut begleitet wird. Dass seine Gesundheit regelmäßig überprüft wird. Und dass Gespräche auf Augenhöhe stattfinden dürfen. Du musst dich nicht rechtfertigen. Aber du darfst Fragen stellen. Du darfst dir Unterstützung holen. Und du darfst erwarten, dass du und dein Kind respektvoll behandelt werden.

Häufige Fragen zum Thema vegane Kinder und Kinderarzt

Muss ich meinem Kinderarzt sagen, dass mein Kind vegan lebt?

Ja. Eine offene Kommunikation erleichtert die medizinische Begleitung und ermöglicht es, gemeinsam auf Wachstum, Entwicklung und mögliche kritische Nährstoffe zu achten.

Was mache ich, wenn mein Kinderarzt veganer Ernährung kritisch gegenübersteht?

Bleibe ruhig und frage nach den konkreten medizinischen Bedenken. Falls nötig, kann eine zusätzliche Beratung durch eine qualifizierte Ernährungsfachkraft sinnvoll sein.

Kann ein Kind gesund vegan leben?

Gut geplante vegane Ernährung kann Kinder in allen Lebensphasen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen. Entscheidend ist eine ausgewogene Ernährung sowie die Beachtung kritischer Nährstoffe. Bei individuellen Fragen solltest du dich an qualifizierte Fachpersonen wenden.

Sollte mein Kind bei solchen Gesprächen dabei sein?

Wenn du mit einer kontroversen Diskussion rechnest, kann ein separater Elterntermin sinnvoll sein. So vermeidest du, dass dein Kind unnötig verunsichert wird.

 

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